Sorry, hier gibt es keine Klangdateien oder Noten. Eine große Zahl irischer Texte findet Ihr z.B. hier. Weitere Tipps auf der Linkseite.
Der Sänger Danny Carthy hat eine Radiosendung über irische Musik der letzten 50 Jahre gemacht. Wunderbarer irischr Akzent. Der Podcast befindet sich auf The Music Well.
Die ersten Wegbereiter für irische Lieder
hierzulande waren zweifellos die
Dubliners. "Whiskey in the Jar" und "Wild Rover" kennt wohl jeder, sie gelten als typisch irisch.
Außer der Kategorie Rauf & Sauf prägen Rührstücke wie
"Carrickfergus" das Bild vom spaßliebenden, aber sentimentalen Iren. Als
geschichtsbewusstes Volk haben die Leute von der Grünen Insel Songs über längst vergangene Schlachten
oder die große Hungersnot der 1840er überliefert. Zwiespältig sind die Auswandererlieder.
Neben der Freude auf den zu erwerbenden Reichtum im Wunderland Amerika gibt es
viel Bitterkeit und Heimweh. Erstaunlich ist, dass es neuere Songs wie
"From Clare to Here" (Ralph McTell) schnell
zu enormer Popularität gebracht haben. Dies ist nicht zuletzt dem sehr
einflussreichen Sänger Christy Moore zu verdanken, der ein Händchen für die
Auswahl eingängiger Songs hat, egal woher sie kommen. Er sagt von sich selbst,
er singe unter keiner (Landes-)Flagge.
Allerdings haben manche Leute von der Grünen Insel die Gabe, Stücke zu adoptieren und irisch klingen
zu lassen, pardon: Liedern anderen Ursprungs „eine gute Heimat zu
geben“, wie sie
selbst es nennen. Das bekannte Antikriegslied "The Green Fields of
France", von dem Schotten Eric Bogle in Australien geschrieben, hat es
binnen weniger Jahre auf
Sampler mit irischen Folksongs geschafft.
“Songs are magic carpets“ (Pete St. John, songwriter)
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Patriotische Lieder vom Kampf gegen die Briten gehören seit Jahrhunderten zum
Kernbestand irischen Liedguts. Sie bewegen sich textlich zwischen Militanz und
romantischer Verklärung. Früheste Vorläufer sollen bardische Erzählungen
über große Schlachten sein, die bis ins 12. Jahrhundert zurück reichen.
Ein paar ältere und jüngere Beispiele:
| Brennan on the Moor | ein irischer Robin Hood, der 1804 gehängt wurde |
| Four Green Fields | überliefertes Sprachbild: Irland als alte Frau, von deren vier Feldern (= Provinzen) eins besetzt ist |
| Rising of the Moon | romantische Verschwörung im Mondschein , inspiriert von Aufständen im Jahr 1798 |
| A Nation Once Again | Pathos der Bewegung für nationale Einheit, anzutreffen in vielen europäische Ländern des 19. Jahrhunderts |
| The Peeler and the Goat | Spott über die Besatzer: Polizist will Ziege verhaften |
| The Foggy Dew | Darstellung eines wichtigen historischen Ereignisses, hier Osteraufstand 1916 |
| Michael Collins | Loblied auf einen Freiheitskämpfer und Politiker, der ermordet wurde |
Mit gesungenen Bekenntnissen zur IRA macht(e) man sich auch in Irland
oder den USA nicht
unbedingt Freunde. Die Clancy Brothers und die Dubliners haben Lieder oder Strophen mit eindeutiger
Stellungnahme nicht ins Repertoire aufgenommen. Die Wolfe Tones wurden wegen
ihrer unverschleierten politischen Position von den Medien weitgehend
boykottiert, waren aber trotzdem recht erfolgreich.
Das Macho - Klischee des edlen, mutigen Helden, der bewaffnet für die gute Sache
streitet, vernebelt den Blick auf die brutale Realität der Kämpfe in
Nordirland. Statt solcher Lieder sollte man lieber "There were Roses"
von Tommy Sands singen, das die Gewalt beider Seiten anklagt.
Es sollte vielleicht auch zu denken geben, dass gerade die beiden Sänger mit
dem deutlichsten politischen Profil, der verstorbene Luke Kelly von den
Dubliners und Christy Moore, englische Stücke in ihr Programm genommen haben.
Die Konfliktlinien verlaufen eben nicht mehr unbedingt wie die Ländergrenzen.
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Die besungenen Taten sind aber nicht auf den bewaffneten Kampf beschränkt. Helden aus der Welt des Sports können Boxer und Ballspieler, aber auch Rennpferde oder Windhunde sein. Oft haben diese Sport- Balladen nur regionale Bedeutung und Verbreitung. Sie erinnern an die Zeit, als neue Lieder geschrieben wurden, um bemerkenswerte Ereignisse überhaupt bekannt zu machen. Hier werden noch buchstäblich Loblieder gesungen.
Die Beliebtheit und Bekanntheit irischer Lieder wurzelt nicht zuletzt in romantischen Love Songs. Angeblich gehen sie auf die französischen Troubadoure des Mittelalters zurück, deren Einfluss mit der Invasion der Normannen auf die Grüne Insel getragen wurde. Mir fallen als Titel ein:
| The Star of the County Down | |
| She moved through the Fair | |
| As I roved out |
Oft waren Varianten überall auf den britischen Inseln verbreitet. Mit Trennung, Tod und Untreue ist man bald bei dem Stoff, aus dem die Balladen sind (s. dort).
Gern
wird auch die Schönheit der Natur, ein bestimmtes Dorf oder eine Sehenswürdigkeit
(z.B. Cliffs of Dooneen) besungen. Manchmal haben, wie anderswo auch, die
Blumen, Tageszeiten oder das Wetter symbolische Bedeutung.
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Wie überall gab es in Irland das Singen, das den Alltag begleitete
und daher großenteils nichtöffentlich war. Wiegenlieder, Arbeitslieder,
Liebeslieder: eine weitgehend von Frauen getragene Kultur. Sie sangen und
musizierten im Familienkreis, im Rahmen der Nachbarschaft. Dubliners,
Chieftains, Planxty - die neuen Stars der irischen Musik waren fast ausnahmslos
männlich. Auch schien es kaum jemand zu stören, dass Frauen nur als Randerscheinung vorkamen. Zum Glück
hat hier in den letzten 30 Jahren ein Wandel stattgefunden. Die
Rollenklischees leben dort wie hier trotzdem noch.
An dieser Stelle möchte ich ein paar irische Sängerinnen nennen, die sich
weiterentwickelt haben, aber - im Gegensatz zu einigen anderen - ihren
Wurzeln treu geblieben sind. In ihrem Repertoire sind tolle Lieder zu finden,
denen ich weite Verbreitung wünsche.
| Dolores Keane - die erste große Sängerin des Revivals, Zusammenarbeit mit De Dannan | |
| Geraldine McGowan - in Hannover ansässig, früher mit Oisin unterwegs, heute mit eigener Band | |
| Susan KcKeown - Irin in New York | |
| Niamh Parsons - keine Angst vor schwierigen Themen | |
| Muireann Nic Amhlaoibh - Sängerin von Danú, Erstsprache Gälisch | |
| Eilis Kennedy - führt in Dingle ein Restaurant | |
| Karan Casey - wurde mit der Band Solas bekannt und schlug danach eine Solokarriere ein |
Irinnen mit eigenen Liedern sind eher selten. Eleanor McEvoy ist eine bemerkenswerte Ausnahme.
Wer hat eigentlich die populären Songs Ride On, A Pair of Brown Eyes oder City of Chicago geschrieben? Obwohl sie erst 20-30 Jahre alt sind, führen die Lieder längst ein Eigenleben. Die Autoren Jimmy MacCarthy, Shane McGowan und Barry Moore sind weniger bekannt. Viele irische Gruppen und Solisten singen alte und neue Songs bunt gemischt. Dass jemand wie ein deutscher Liedermacher ausschließlich Eigenes zu Gehör bringt, dürfte eher selten sein. Andy Irvine und Christy Moore gehören zu den bekanntesten irischen Sängern aus der Folkszene. Sie haben aber auch eigene Songs geschrieben. Die beiden haben sich intensiv mit traditionellem Material - übrigens nicht nur aus Irland - beschäftigt, bevor sie eigene Lieder in ihr Programm aufnahmen. So wurde es möglich, dass neue Songs so klingen, als seien sie schon immer da gewesen. Sean Keane zum Beispiel lässt alles was er singt schon durch seinen Akzent und die Verzierungen total irisch klingen. z.B. Sting's Fields of Gold. Was das eigene Repertoire angeht, solltet Ihr nicht unbedingt warten, bis Christy Moore, Finbar Furey oder Mary Black ein (nicht-irisches) Lied bekannt machen.
“All songs are living ghosts and long for a living voice“ (Brendan Kennelly, Irish poet)
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Nicht alle Lieder, in denen Iren vorkommen, stammen auch aus Irland. Einige bedienten Klischees in den Ländern, wohin sie ausgewandert
waren.
It's a Long Way to Tipperary, bekanntes Soldatenlied aus der Zeit
des 1. Weltkriegs, wurde von dem Engländer Jack Judge für die Show einer Music
Hall geschrieben, einer Art Varieté. Inhalt: Der ausgewanderte Paddy schreibt
aus London an seine Molly in Irland und wird als ziemlicher Tölpel
vorgeführt.
Auch das Schaustück der Dubliners u.a., The Rocky Road to Dublin, wurde
zunächst in England durch den Music Hall - Sänger Harry Clifton (1824-1872)
populär gemacht. Der Text über die Missgeschicke eines Auswanderers stammt von
einem D K Gavan, die Melodie war wohl schon vorhanden.
Als das Klavier im 19. Jahrhundert die bürgerliche gute Stube eroberte, enstanden die Parlour Songs. Sie wurden nach Noten gesungen, teils mit alten, teils mit neuen Texten und Melodien. In den USA gab es auch eine betont irische Variante. When Irish Eyes Are Smiling - Kitsch wurde gern genommen. Das Aufkommen des Radios beendete diese Ära um 1920. Überlebt haben Stücke wie Molly Malone und Danny Boy, die man eigentlich nur "tongue in cheek" singen kann - mit einer guten Prise Ironie.
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Eigentlich sind irische Lieder in englischer Sprache eher eine neuere Erscheinung.
Die Landessprache war schließlich (irisches) Gälisch. In den Gaeltacht -
Gebieten im Westen des Landes, etwa in Donegal und Connemara, wird es
noch als Umgangssprache gesprochen (Karte).
Auch auf den nordwestlichen Inseln Schottlands wird
noch auf gälisch gesprochen und gesungen. (s. Keltisches) Mit der englischen
Sprache hat Gälisch ungefähr so viel zu tun wie Deutsch mit Polnisch. Es sind
also zwei sehr unterschiedliche sprachliche Systeme. Da aber Englisch seit mehreren Jahrhunderten dominiert, ist die Masse irischer
Lieder in englischer Sprache.
Die älteren englischsprachigen Lieder haben verschiedene Ursprünge: die
englischen und schottischen Siedler des 17. Jahrhunderts (die zahlreich nach
Nordirland strömten), brachten ihre Musik mit. Wenn Iren selbst in
englischer Sprache schrieben, wird das Resultat als anglo - irisch bezeichnet. Die
in England massenhaft gedruckten Liederblätter mit Balladen fanden in Irland
ebenfalls Verbreitung.
Interessant sind Lieder mit sprachgemischtem Text,
z.B. "Suil a ruine" . Phrasen, Zeilen oder ganze Verse wechselten
zwischen den Sprachen hin und her. Musikalisch findet man viele ausdrucksstarke
Melodien, oft jenseits des Dur/Moll-Systems. Folkfans hierzulande haben
gälische Lieder wahrscheinlich zuerst durch die Gruppen Clannad oder Altan
kennengelernt. Beide haben familiäre Wurzeln in Donegal mit seinen
gälischen Sprach-Inseln.
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Wenn man sich für den Kern des traditionellen irischen Liedguts interessiert, stößt man bald auf den Begriff Sean Nós ('auf die alte Art'). Historisch geht dieser Stil wohl auf die Tradition der Barden zurück. Sie verfassten Verse nach strengen Regeln. Es handelte sich eher um eine Art Kunstmusik. Sean Nós - Gesang entsprach kaum unseren heutigen Hörgewohnheiten. Grob lässt er sich mit den folgenden Punkten charakterisieren:
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Ein häufig nasaler, auf keinen Fall 'süß' klingender Gesang und die Betonung von einigen Konsonanten (l, m, n, r) verstärken den archaischen Eindruck. Es liegt auf der Hand, dass ein solches Lied kaum in Noten zu fassen ist; jede Strophe und jede Darbietung des selben Liedes weist bei guten SängerInnen feine Variationen auf. Da diese Tradition lebt, ist eine Veränderung zu beobachten. Jüngere SängerInnen haben einen zugänglicheren Stil entwickelt.
Vergleichbare Stilmerkmale finden sich in der Instrumentalmusik, insbesondere
bei Slow Airs, was nicht verwunderlich ist: sie sind häufig die Melodien jener
alten Lieder. Auch bei den Regionalstilen gibt es Parallelen. Man unterscheidet
die drei Sean Nos-Stile aus Munster, Ulster und Connemara mit unterschiedlicher
Art der Ornamentierung und kleinerem oder größerem Tonumfang.
Als
gute Sean Nós- SängerInnen gelten Joe Heaney, Maighréad Ní Dhomnaill und
Iarla O Lionaird.
Lorcan MacMathuna verbindet Sean Nos mit anderen Stilen, z.B. Jazz.
Nicht jedes auf gälisch gesungene Lied ist Sean Nós, es geht vor allem um die
'Big Songs', die langen, ernsthaften, alten Lieder. Die gefeierte CD der Pop-Sängerin
Sinead O Connor, Sean Nos Nua (neue Lieder), trägt zur Verwirrung
bei.
Skiddle-i-del-dom, skiddle-i-del-dee... eine irische Spezialität, bei der Nonsens-Silben auf eine bekannte Lied- oder Tanzmelodie gesungen werden. Nicht immer standen Instrumente zur Verfügung, und das Lilten diente auch als Zeitvertreib bei der Arbeit. Man konnte sich so die Instrumentalstücke einprägen. Hier eine historische Tonaufnahme.
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Wie auch bei sämtlichen Instrumenten gibt es in Irland Wettbewerbe im Sean Nós - Singen. Das Prinzip des Wettbewerbs in Bezug auf künstlerische Äußerungen mag befremden. Ein Gedanke dabei ist, dass der Gesang nicht nur persönlicher Ausdruck der SängerInnen ist, sondern die Überlieferung weitergibt. Dieses 'nachhaltige' Verständnis von Kultur, das die eigene Person als Glied in einer Kette betrachtet, unterscheidet die Iren (und andere Völker) von uns Mitteleuropäern. Außer der Bewertung und der Konkurrenz wirken die Wettbewerbe sicher als Anreiz und der Preis als Anerkennung.
Ein Dialog zwischen FolkmusikerInnen: "What do you do?" - " I sing". Dies meint nicht, dass die/der letztere automatisch auch Gitarre spielt oder sich sonstwie begleitet. Singen wird anders als in der deutschen Folkszene als hinreichend schwierige Kunst betrachtet, so dass man nicht unbedingt noch ein Instrument gleichzeitig bedienen muss. Dementsprechend ist der Standard der ir. trad.- InstrumentalistInnen in Deutschland oft sehr hoch, wohingegen man herausragende SängerInnen mit der Lupe suchen kann.
Ein anderer Faktor ist, dass in Pubs öffentlich und oft auch unbegleitet gesungen wird. "schhhh...whisht" - bis die ganze Kneipe ruhig ist, dem unbegleiteten Lied zuhört und dem/der Vortragenden anschließend verbale Anerkennung oder auch ein Bier spendet. Diese Kultur der Ermutigung, von der auch die InstrumentalistInnen in Irland profitieren, bildet den Nährboden für die große Anzahl hervorragender irischer MusikerInnen.
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Hier geht es zur youtube-Playlist Story Behind the Song, in der alle o.g. Lieder enthalten sind.
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Dies sind keine Lexikonartikel, da sie auch persönliche Wertungen und Eindrücke enthalten. Ich habe mich um flüssig lesbare Texte bemüht.
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Der verstorbene schottische Folksänger Hamish Imlach war es offenbar leid, den "Wild Rover" zu bringen. Als umwerfender Entertainer hatte er es auch nicht nötig, darauf zurückzugreifen. Hier ist seine Version:
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1.) I've been a folksinger for twenty-five years |
3.)
It's a song that's requested again and again |
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2.) I know it's a song, one that pleases the folk |
4.) I'll go to a folk club, take a shotgun along |
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Leider muss man diesen Text auf die bekannte Melodie singen...
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