
Die folgende Seite soll Einsteigern eine Hilfe sein, die wunderbare
irische Instrumentalmusik kennen zu lernen.
Ein ganz kurzes FAQ über irische Musik
gibt es hier,
etwas mehr zum Thema bei den irischen Organisationen Ceolas
oder Comhaltas. Worum
es geht, zeigt sehr schön ein Video aus der Serie The
Pure Drop vom australischen Fernsehen.
Leider wurde die Webseite von mixwit.com, die mir das Erstellen von virtuellen Musikcassetten ermöglichte, abgeschaltet. Einen Ersatz habe ich noch nicht gefunden. :-(
| Instrumentalstücke Saiteninstrumente Blasinstrumente Zungen und Bälge Perkussion Zusammenspiel Variationen Regionalstile Welche Stücke lernen? Ein Wort zum Schluss |
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Die folgenden
Musikformen sind in Irland verbreitet, was aber nicht heißt, dass es sie nicht
auch in anderen Ländern gibt. Die meisten Stücke wurden für spezielle Tänze
geschrieben und entsprechend benannt. Je
nach Regionen ist die Verbreitung innerhalb Irlands verschieden.
Die Unterscheidung ist nicht immer einfach und oft auch umstritten. 
Reel – bei weitem am beliebtesten, schnell, 4/4-Takt
Jig – mäßig bis rasch, 6/8-Takt
Slip Jig – verhaltener, 9/8-Takt
Slide – schwungvoll, 12/8-Takt
Hornpipe –
oft
mit punktiertem Rhythmus, 4/4 oder
2/4-Takt,
zu erkennen an drei betonten Viertelnoten am Ende eines Teils
Polka – schwungvoll, 2/4- Takt
Waltz – eher verträumt, aber immer noch im 3/4 - Takt
Set Dance – Musik zu einem festgelegten Tanz mit eigenen Figuren
(Slow) Airs
– langsame Melodien mit freierer
Struktur.
Sie sind oft Melodien von
Balladen und werden zum Zuhören gespielt.
Slow Reels sind eine jüngere Erscheinung. Besonders melodische Reels werden gerne in langsamem Tempo in der Art von Airs gespielt.
Mazurkas, Strathspeys, Schottisches, Marches etc. existieren auch, sind aber nur selten anzutreffen.
Die Stücke bestehen standardmäßig aus zwei Teilen, die jeweils acht Takte lang sind und normalerweise wiederholt werden: AABB. Es sei denn, ein Teil besteht aus vier Takten, die schon zweimal gespielt worden sind. Natürlich gibt es auch Tunes mit drei und mehr Teilen.
Manche Lieder sind mit Text unterlegte
Dance Tunes (oder umgekehrt Tunes sind Lieder ohne Text)
z.B. Lanigan's Ball (Jig), The Little Beggarman (Hornpipe) oder
I'll Tell My Ma (Polka).
Bobby Gardiner spielt einen Hornpipe, einen Jig und einen Reel auf dem einreihigen Melodeon.
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"A
VIOLIN SINGS....... A FIDDLE DANCES"
Die Fiddle ist sozusagen das Grundinstrument.
Da früher solo und zum Tanz aufgespielt wurde, hatte die Geige den Rhythmus zu
betonen. Ein kräftiger, etwas rauerer
Stil passt zu den Tunes besser als das glatte, „schöne“ Spiel. Ob jemand klassischen
Unterricht gehabt hat, hört man meistens sofort, wobei es eher ein Vorteil ist,
sich das Instrument neu anzueignen. Die Spielhaltung weicht von der
klassischen etwas ab. Oft wird der Bogen etwas höher angefasst und der kleine
Finger nicht benutzt.
Gruppen von Tönen werden gebunden, oft
mit dem letzten Ton vor einem Taktwechsel beginnend. Dadurch entsteht eine Art
Swing. Vor- und Aufschläge oder sog. Rolls betonen machen den typischen
Klang aus. Vibrato war eigentlich unüblich, wiewohl durch die wachsende
Zahl klassisch ausgebildeter Fiddler diese Regel in Frage gestellt ist.
Berühmte irische GeigerInnen der Gegenwart und Vergangenheit werden mit
Text und Ton auf der Seite irishfiddle.com
vorgestellt. Alle Fragen rund ums Fiddeln kann man auf Deutsch beim Fiddle-Forum
stellen.
Muss man in Irland geboren sein, um diese Musik zu beherrschen? Wenn man den Amerikaner Randal Bays hört, wird man klar mit Nein antworten. Vielleicht ist das ermutigender als den Meistern wie Kevin Burke, Tommy Peoples oder Frankie Gavin zu lauschen.
Wer sich nicht den Stress mit dem sauberen Greifen und der vertrackten Bogentechnik antun möchte, sollte vielleicht zur Mandoline greifen. Sie ist genauso gestimmt wie die Geige (nur doppelt). Preiswert und leicht zu transportieren außerdem. Die Mandoline kann sehr effektvoll zum Untermalen von Songs eingesetzt werden. Auch für Gitarristen als Zweitinstrument zu empfehlen. Als verwandtes Zupfinstrumente ist noch die etwas größere Mandola zu nennen.
Mangel an Lautstärke ist nicht das Problem, im Gegenteil. Das Tenorbanjo
(vier Saiten) bietet kaum Chancen, den „Sound“ zu variieren, kann aber der
Melodie beim Zusammenspiel ein kräftiges Gerüst geben. Schnelle Läufe und Verzierungen wie Triolen
kommen gut rüber. Gerry O'Connor ist hier
als Solist zu nennen. Nicht
verwechseln mit dem five-string-banjo, das im Bluegrass benutzt wird.
Kein
Scherz, es gibt sie wirklich. Sie vereint die Vorzüge ihrer beiden Eltern, hat
aber nicht den markanten Klang. Für einen Abend zum Mitzupfen bei
einer Session prima geeignet. Das Foto stammt aus Irland (Juli 09).
Anders als das Banjo gut für eine fetzige, rhythmische Akkordbegleitung geeignet. Deshalb hat sich die keltische Variante mit dem flachen Rücken seit den Siebzigern rasant ausgebreitet, nicht zuletzt durch den Einfluss von Donal Lunny (Bothy Band u.v.a.). Das extra-große Bass-Modell hört auf den Namen Blarge.
Sie gilt zwar als das Folk-Instrument schlechthin, ist aber erst seit
Mitte des vorigen Jhdts. in Irland allgemein verbreitet. Die Rhythmusbegleitung wurde auf
den frühen Tonaufnahmen oft vom Klavier übernommen. Es
gibt zwar Leute, die irische Tunes beeindruckend auf der Gitarre spielen
können, z. B. Pierre Bensusan. Beim Zusammenspiel ist die Gitarre als
Melodieinstrument aber zu
leise.
Wer Rhythmusbegleitung
machen möchte, sollte sich möglichst nicht auf ein paar Dur- und Mollakkorde
beschränken. (s.u.) Effektiv und sehr beliebt ist inzwischen, die Gitarre auf
DADGAD zu stimmen. Bekannte irische Backing- Gitarristen sind
Artie McGlyn und Dáithí Sproule.

Die keltische Harfe ist erheblich kleiner als die mit Pedalen bestückte Orchesterharfe. Der Resonanzkörper ist in den Rahmen am unteren Ende der Saiten integriert. Es gibt Metall- und nylonbespannte Instrumente. Mit kleinen Hebeln an den Saiten können diese halbtonweise umgestimmt werden, so dass verschiedene Tonarten spielbar sind. Der Klang bezaubert und lässt die Harfe als Soloinstrument bestens zur Geltung kommen. Dass die Harfe auch im Ensemblespiel eine Bereicherung ist, haben die Chieftains mit dem verstorbenen Derek Bell demonstriert.
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Die Tin Whistle ist ein ernstzunehmendes, eigenständiges Instrument. Aber auch ohne es vollständig beherrschen zu wollen, nützt es, sich Grundkenntnisse des Whistlespiels anzueignen.
Das Anblasen geschieht mit „dü“ wie bei der Blockflöte. Die Töne werden häufig gebunden, auch über das Ende eines Taktes hinweg, was einen interessanten rhythmischen Effekt ergibt.
Die Finger werden ziemlich gestreckt gehalten, so dass die Grifflöcher nicht unbedingt von den Fingerkuppen geschlossen werden. Dies erleichtert das Ausführen der Verzierungen. Es gibt nur sechs Löcher auf der Vorder- und kein Daumenloch auf der Rückseite. Also drei Finger der linken Hand oben, drei Finger der rechten Hand darunter. Die obere Oktave wird durch Überblasen, d.h. stärkeres Anblasen, angesteuert. Halbtöne werden meist durch halbes Abdecken eines Loches gespielt, was nicht einfach ist. Daher gibt es Whistles in verschiedenen Tonarten. Die gängigste ist in D, Marke "Generation".
Beim Kauf sollte man die Whistle ausprobieren. Ist der Luftweg im Mundstück richtig frei? Ist die Stimmung in sich (einigermaßen) sauber? Bei dem preiswerten Masseninstrument sollte man allerdings nicht zu viel erwarten.
Zum Stimmen kann man das anklebte Plastikmundstück mit heißem Wasser vorsichtig lösen und dann das Rohr etwas herausziehen bzw. hineinschieben.
Gute Solo-Tonaufnahmen hat Mary Bergin gemacht.
Die heute üblichen Metall-Querflöten bieten einen enormen Tonumfang und
einen wunderschönen Klang. Für die irische Musik sind sie weniger geeignet.
Die Verzierungen oder das Hineingleiten in die Töne lassen sich auf
Holz-Querflöten alter Machart bedeutend besser ausführen. Der warme Klang des
Holzes tut ein Übriges. Ein Meister dieses Instruments ist Matt Molloy (Bothy
Band, jetzt Chieftains), der auch Soloalben herausgebracht hat.
Es gibt eine tolle Seite, wo eine Menge Stücke zum Lernen langsam und schnell auf der Holzflöte vorgespielt werden: irishflute.podbean.com
Dudelsäcke, den Rohrblattinstrumenten zuzurechnen, waren einst in ganz
Europa verbreitet. Anders als bei den schottischen Highland Pipes wird der
irische Dudelsack im Sitzen gespielt und mit einem am Arm befestigten Blasebalg
betrieben. Pipes spielen ist die Königsdisziplin und erfordert jahrelanges
Lernen. Man beginnt mit dem Chanter, der Melodiepfeife. Hinzukommen die Drones,
Basspfeifen für Borduntöne, und Regulators, Rohre mit Klappen, die man mit dem
Unterarm betätigt. Die Spielweise der Pipes hat die Technik auch der anderen
Instrumente beeinflusst. Finbar Furey hat das Instrument hierzulande bekannt
gemacht.
Marc Decker stellt auf der Band- Seite von Wet Your Whistle die Einzelteile
seiner Pipes in
Bild und Ton vor.
Bei der Deutschen
Uilleann Pipes Gesellschaft gibt es ein Porträt des Instruments.
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In Deutschland ist die Mundharmonika immer noch das Instrument der Schichten, die sich keinen Musikunterricht leisten konnten, und dementsprechend gering geschätzt. Der Blues (und Bob Dylan) verschafften ihr neue Verbreitung. Nicht das Instrument, das einem sofort bei irischer Musik einfällt, aber bei hochkarätigen Bands von Sweeney's Men bis Altan zu hören. Toller Solist: Brendan Power (Neuseeland).
Als Quetschkommode und Schifferklavier belächelt, hat das Akkordeon hierzulande einen schlechten Ruf. Es ist aber ganz gut als Melodie- und Begleitinstrument in der irischen Musik einsetzbar. Wie das Klavier ist ist es chromatisch angelegt, also für sämtliche Tonarten zu gebrauchen. Phil Cunningham aus Schottland hat gezeigt, was ein Virtuose aus den Tasten herausholen kann.
In Irland
recht beliebt ist das etwas kleinere Knopfakkordeon, auch oft 'box' genannt. Von der Mechanik
ist es mit der Mundharmonika verwandt und war einst auch bei uns verbreitet. Das Instrument ist kleiner als das
Tastenakkordeon. Ein
Instrument ist auf wenige Tonarten beschränkt. Bei Druck und Zug entstehen unterschiedliche
Töne. Der Effekt ist ein kräftiger,
rhythmischer Sound. Vor hundert Jahren waren einreihige Instrumente sehr
preiswert und populär, heute dominieren die zweireihigen. Mairtin O'Connor und Jacky Daly sind hier als
prominente Spieler zu nennen.
In Irland als Fraueninstrument angesehen, ist
die Concertina hierzulande eine Rarität, obwohl die Entwicklung
teils in Deutschland stattgefunden hat. Sie diente bei uns den Zirkusclowns als
Instrument. Die Seiten sind sechs- oder achteckig und oft mit kunstvollen Beschlägen
versehen. Das Instrument ist deutlich kleiner als ein Akkordeon. Die Knöpfe
sind nicht in Reihen, sondern als Feld angeordnet. Es wird unterschieden zwischen Anglo- und englischer
Concertina. Die Anglo
funktioniert wie das Melodeon, die englische Concertina hat den gleichen Ton bei
Druck und Zug. In Irland ist überwiegend die Anglo verbreitet, meisterhaft gespielt
z.B. von Noel Hill.
Das (die ?) Bodhran ist eine Rahmentrommel, mit
Schweine- oder Ziegenhaut fest bespannt, die mit einem Holzschläger oder auch
mit der Hand geschlagen wird und eine erhebliche Lautstärke entfalten kann. Mit
diesem Instrument kann man tolle Effekte, sogar eine Art Melodiespiel,
entwickeln, je nachdem, wie und wo das Fell auf der Rückseite abgedämpft wird.
Auf den Punkt gespielt, entwickelt eine Bodhranbegleitung bei Jigs und Reels
unheimlichen Drive, etwa bei 'Ringo' McDonagh von De Dannan. Das schwerste bei
diesem Instrument ist zu merken, wann man nicht spielen sollte ;-) . Eine
feine deutschsprachige Seite für Einsteiger ist Saschas
Bodhran Lounge.
Zwei Suppenlöffel werden mit der Rückseite
gegeneinander gehalten. Die Stiele hält man fest zwischen den Fingern einer Faust. Man
schlägt die Löffel zwischen Oberschenkel und der nicht haltenden Hand.
Das ist gar nicht so einfach. Manche biegen die Löffelstiele in der Mitte nach
oben. Es gibt auch eine zangenartige Variante mit
Holzlöffeln ähnlich eines Salatbestecks, was einfacher zu spielen ist.
Zwei flache, ca. 10 cm lange Knochen (ich schätze
mal es sind Schweinerippen) werden ähnlich wie die Löffel zwischen die Finger
der Faust geklemmt. Sie erzeugen ein kastagnettenähnliches Geklapper.
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Harmonium, Drehleier, Saxophon, Klarinette,
Blockflöte, Cembalo, Kontrabass...
Es hat viele Versuche gegeben, Instrumente aus anderen Sparten für irische
Musik zu nutzen. Am erfolgreichsten waren vermutlich Klavier undKeyboard.
Natürlich kann man experimentieren - sofern man das Instrument gut beherrscht
und weiß was man tut. Aber warum sollte man den charakteristischen Klang der
herkömmlichen Instrumente "verbessern" wollen?

So darf man sich einen Fiddle - Workshop (nicht) vorstellen...
Die irische Musik ist
auf auf Einstimmigkeit hin angelegt (unisono-Spiel).
D.h.
man spielte solo oder im Duett.
Mit den (akustischen) Folk-Bands ab den siebziger Jahren hat es allerdings eine
Angleichung an moderne Hörgewohnheiten gegeben.
Die in Bands übliche Aufteilung, hier Melodie- dort
Rhythmusinstrumente, entspricht eigentlich nicht der früheren Spielweise. Flöten,
Geigen etc. hatten so rhythmisch zu spielen, dass man dazu gut tanzen konnte.
Das Verhältnis von Melodie- zu Begleitinstrumenten
sollte m. E. bei 2 : 1, besser 3 oder 4 : 1 liegen. Zugegeben: Ich spiele viel zu gerne E-Bass, als dass ich
mich immer an diese Theorie halten würde...
Der Charme der irischen Musik besteht auch darin, dass sich die Melodien
meist nicht in Dur- und Moll-Tonarten bewegen, sondern in den sog. Kirchentonarten. Dies ist nicht verwunderlich,
wenn man weiß, dass unser Dur/Moll-System sich erst zu Bachs Zeiten
herausgebildet hat. Der englische Ausdruck "greek modes" verweist auf
die Herkunft aus dem alten Griechenland. Die gängiste Kirchentonart Dorisch fängt,
von Dur aus betrachtet, auf der 2. Stufe der Tonleiter an. Dabei
liegen die Halbtonschritte (bei Dur 3./4. und 7./8. Stufe) entsprechend eins
tiefer.
Eine Begleitung mit
Dur- und Mollakkorden ist daher nicht ideal. Wenigstens sollte man versuchen,
die Terz (3. Stufe der Tonleiter), die zwischen Dur und Moll entscheidet,
wegzulassen. Dazu werden häufig
„offen gestimmte“ Gitarren oder Bouzoukis verwendet (open tuning). Eine häufig gebrauchte Stimmung ist DADGAD.
Streng genommen kann man ein Stück auf der Gitarre, aber auch mit Bodhran, erst
begleiten, wenn man die Melodie Ton für Ton kennt. Die Reels oder Jigs hören
sich zwar zunächst alle gleich an, man ist aber nicht vor überraschenden
melodischen und rhythmischen Wendungen sicher. Allermindestens sollte man
wissen, zu welcher Gattung das Stück gehört.
Kernpunkt dieser Musik ist die Melodie - nicht die Harmonie. Eine Akkord- oder Bassbegleitung sollte die Eigenheiten der jeweiligen Melodie hervorheben. Die mehrstimmigen Bearbeitungen für Musikschul- Ensembles entstellen die ursprünglichen Stücke teils bis zur Unkenntlichkeit, weil hier Prinzipien des Tonsatzes aus der Klassik angewendet werden. Das Ergebnis ist eher was Klassisches - aber kein Irish Folk.
Ein großes Problem ist oft das Finden und Halten des richtigen Tempos. Natürlich sollen die Reels Pfeffer haben, sonst wären sie ja nicht die mit Abstand beliebteste Gattung. Es darf aber nicht gehetzt klingen! Die Supergruppen legen mitunter ein Höllentempo vor, das halsbrecherisch und nicht wirklich nachahmenswert ist. Bei älteren Soloaufnahmen kann man hören, dass gelasseneres Tempo nicht unbedingt Mangel an Energie bedeutet. Die Kunst des Musikers soll dazu dienen, die Schönheit der Melodie hervorzuheben, nicht das Stück ein Vehikel sein, um die Fertigkeiten des Spielers herauszustellen.
Ein großer Anreiz, irische Musik zu spielen, sind die Sessions.
MusikerInnen setzen sich (meist in der Kneipe) zusammen, einer fängt ein Stück
an, wer's kennt, spielt mit. Egal ob in Irland, Kalifornien oder Niederbayern, man
kann auch mit wildfremden Leuten zusammen spielen, wenn man ein
Grundrepertoire beherrscht und das Stadium „blutiger Anfänger“ überwunden hat. Einsteiger (und
Bodhranspieler ;-) sollten allerdings darauf
achten, niemand auf die Nerven zu gehen.
Die vielen ungeschriebenen Benimm-Regeln werden englisch unter Session-Etiquette
zusammengefasst und lebhaft im Netz diskutiert.
Sessions, wie wir sie heute kennen, sind relativ jung: sie sollen vor ca. 60 Jahren in London entstanden sein. Slow Sessions speziell für Einsteiger sind eine neue Errungenschaft. Weitere Tipps bei der Hamburger Slow Session.
Medientipp: z.B. session + irish beim Videoportal youtube als Suchbegriff eingeben.
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Charakteristisch für die irische Musik ist außerdem der Variantenreichtum. Unter dem selben Titel existieren massenhaft unterschiedliche Fassungen. Kann man sie gleichzeitig spielen, sind es „variations“, sind sie nicht kompatibel, spricht man von „settings“. Außerdem ist der fortgeschrittene Spieler bestrebt, nie zwei Durchgänge eines Stücks völlig gleich zu spielen. Dazu bedient man sich der Ornamentierung.
Natürlich ist der rhythmisch betonte Fluss der Melodie erstmal entscheidend. Damit es sich „irisch“ anhört, dürfen aber nicht die Verzierungen fehlen.
Ganz grob gibt es zunächst den
Vorschlag: kurzer Ton, ein oder zwei Stufen darunter oder darüber, vor dem eigentlichen Ton
Aufschlag: kurzer Ton in der Mitte der eigentlich zu
spielenden Note

zwei gleiche Töne werden gern durch einen Aufschlag getrennt
Roll: eine sehr schnelle Folge von fünf Tönen, die den Hauptton einkreist
z.B. Roll auf e = e fis e d e
Die Verzierungen sind beeinflusst vom Gesang und vom Spiel des irischen Dudelsacks, der Uileann Pipes, die natürlich einige weitere Varianten bieten.
Ausprobieren lassen sich diese Kunststückchen gut auf der Tin Whistle.
Egal, an welchem Instrument man sich betätigt: Unabdingbar ist häufiges und intensives Hören. Aufnahmen von Bands sind meistens fetziger oder gefälliger, trotzdem bringt es wahrscheinlich mehr, sich gute Solo/Duoaufnahmen zu besorgen.
Einzelkämpfertum ist langweilig. Es gibt sogar in
Deutschland Workshops für irische Musik und Tanz.
Aber auch ohne hierarchische Unterrichtssituation kann man sehr viel durch
Austausch und Zusammenspiel mit anderen Folkies lernen.
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Im Laufe der Zeit hatten sich verschiedene regionale Stile herausgebildet, beeinflusst ebenfalls durch die geographische Lage oder bedeutende SpielerInnen. In den Zeiten von Tonträgern und hoher Mobilität haben sich diese Besonderheiten etwas abgeschliffen, sind aber nach wie vor noch zu unterscheiden. Am einfachsten lassen sich die Fiddlestile gegenüberstellen. Eine Reise die Westküste entlang von Nord nach Süd:
Ein besonders flüssiger Stil, der lange für irische Musik insgesamt stand. Die trickreiche melodische Gestaltung und lange Bindebögen ergeben viel Drive und Abwechslung. Herausragend war Michael Coleman, der als Auswanderer in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts in den USA sehr einflussreiche Tonaufnahmen machte.
Galway ist die Heimat der Gruppe De Dannan mit dem Fiddler Frankie Gavin. Hoch komplexe Variationen und Verzierungen sind hier anzutreffen. In Clare wurde relativ langsam gespielt, was Raum für interessante Melodieführung ließ. Die Concertinaspieler aus Clare waren früher ein Begriff. Übrigens ist die berühmte Kurswoche Willie Clancy Summer School in Milltown Malbay/Clare angesiedelt.
Kerry ist die Heimat vieler Slides und Polkas. Der Stil ist eher schlicht und arm an Variationen, aber schwungvoll. Berühmt für die reiche musikalische Tradition ist die Gegend Sliabh Luachra.
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Dem Anfänger stellt sich die Frage, welche von den Tausenden an Tunes man denn nun als erstes lernen sollte. Eine objektive, allgemeingültige Antwort darauf ist unmöglich. Man kombiniere:
| Stücke, die einem besonders gut gefallen | |
| Stücke, die viele kennen | |
| Stücke, die man mit anderen zusammen spielen möchte | |
| Stücke, die garantiert keiner kennt (wenn man auffallen möchte - bei Sessions eher negativ) | |
| wer will: Stücke mit drolligen Titeln z.B. „Bang your Frog on the Sofa“ |
Natürlich kann es passieren, dass die erfahrenen MusikerInnen genervt mit
den Augen rollen, wenn der Anfänger freudig Harvest Home oder den Kesh
Jig anstimmt. Lernt die „ollen Kamellen“ trotzdem. Man muss ja nicht
dabei stehen bleiben.
Zum Lernen irischer Tunes gibt es die amerikanische Seite slowplayers.org
Diese zeichnet sich durch die Kombination von Klangbeispielen, gut lesbaren
Noten und Begleitakkorden aus.
Eine hübsche Sammlung der O'Regan's
Pub-Session in Kanada mit midi-files, abc und Noten.
Schriftliche Fassungen in vielen Variationen und Formaten auf JC's
tune find.
Systematisch sein Repertoire erweitern kann man mit der Westborough
Session, wo monatlich Tunes mit Noten und Klangdatei vorgeschlagen werden.
Da die einzelnen Stücke kurz sind, werden meist zwei oder drei nahtlos hintereinander gespielt. In der Regel kommt der Wechsel nach dem dritten Durchgang. Dies geschieht bei Bands ebenso wie bei Sessions, dem Zusammenspiel in einer lockeren Gruppe. Manche Sets sind gewohnheitsmäßig festgelegt, andere Wechsel spontan. Es bietet sich an, manche Stücke gleich als Set zu erlernen, z. B. die schottischen Jigs Atholl Highlanders/Jig of Slurs. Die Tunes für einen Set stammen meist aus der selben Gattung, müssen es aber nicht. Es gilt das Prinzip der Steigerung: Oft wird z.B. mit einem Slow Air angefangen und dann was Flotteres dahinter gesetzt. Eine eigene Kunst ist der geschickte Wechsel der Tonarten.

Die großen irischen Gruppen auf Briefmarken: Altan, die Chieftains, die Clancy Brothers mit T.Makem, die Dubliners
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Eine Definition dessen, was nun die irische Musik ausmacht, kann hier nicht geliefert werden, dafür ist die lebendige Materie zu kompliziert. Sie ist nicht nur ein Stil, sondern setzt ein anderes musikalisches Denken voraus als es in der hiesigen Schulmusik gelehrt wird. Es geht nicht um das Reproduzieren vorgegebener Werke. Die Musik lebt erst durch die Interaktion: die Weitergabe, das Zusammenspiel. Folkmusik findet zunächst mal nicht im Konzertsaal oder im Tonstudio statt. Es geht um selbst gemachte Unterhaltung zu Hause oder im Pub, wo sich Publikum und MusikerInnen auf Augenhöhe begegnen, nicht um wabernden Keyboard-Sound mit ein paar Flöten- und Harfentönen für den Hauch von Authentizität.
Irlands Musiktradition überdauerte u.a. durch die geographische Randlage und
das Fortbestehen der ländlichen Strukturen bis in die Gegenwart, wobei die musikalischen
Formen und Stilmerkmale (s.o.) sich erhalten haben. Trotzdem wurden immer auch
neue Einflüsse aufgenommen. Aber auch auf der Grünen Insel war die
Wertschätzung der eigenen Musikkultur in der Mitte des vorigen Jahrhunderts
stark gesunken, bis ein Revival ab den 50er/60er Jahren einen Boom
auslöste, der bis heute anhält.
Irische Musik ist ein Exportgut und touristischer Wirtschaftsfaktor. So bleibt
es nicht aus, dass unsägliche Sampler-CDs und auf den Markt geworfen werden und
Musiker aus allen möglichen Ländern mit dem Etikett „irische Musik“
Kohle machen wollen.
Wenn wir Mitteleuropäer uns selber an der irischen Musik versuchen, sollten wir sie nicht als Steinbruch betrachten, aus dem man sich nach Belieben ein paar
Brocken holt und diese zur Unkenntlichkeit bearbeitet. Respekt vor den Menschen, welche uns diese tolle Musik z.T. trotz
schrecklicher Lebensumstände und politischer Repression über die Zeiten
hinweg überliefert haben, sollte sich im Umgang mit der musikalischen
Tradition ausdrücken.
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