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Musikalische Traditionen zur Weihnachtszeit gibt es viele. Die Überlieferungen wurden überwiegend in Kirche und Familie gepflegt. Die entstandene Lücke für Weihnachtsmusik im öffentlichen Raum füllen Blaskapellen, Kinderchöre und Pop-Kitsch. Die Verbindung zwischen Volks- und Kirchenmusik ist wohl nirgends so eng wie bei den Weihnachtsliedern. Eine kleine Kulturgeschichte des Weihnachtsliedes im hiesigen Sprachraum - "vom Hymnus zum X-mas-rap" - gibt es hier.
Das Wort Carol bezog sich ursprünglich auf einen Kreistanz, der vom Gesang der Tänzer begleitet wurde. Carols unterschieden sich von den Chorälen und wurden bis ins 19. Jahrhundert nicht in der Kirche gesungen. Die religiösen Inhalte waren nicht auf die Weihnachtszeit begrenzt; die Nativitity Carols waren nur ein Themenfeld unter mehreren. Das Singen von geistlichen Liedern war in protestantisch dominierten Ländern zeitweise verpönt, obwohl Luther sich tatkräftig für den Kirchengesang einsetzte. Der Brauch des nachbarschaftlichen Singens zur Weihnachtszeit ist auch in den USA trotz Multikulturalismus noch anzutreffen.
Eine Ahnung von dem, wie es auch sein
könnte, dem "Christmas cheer", habe ich in England
bekommen. Ich habe einige schöne Folkclub-Abende in Erinnerung, wo im Pub
mit dem Bierglas in der einen und dem Textblatt in der anderen Hand kräftig mitgesungen
wurde.
In der Gegend um Sheffield gibt es eine lebendige Tradition, in der zweiten
Novemberhälfte und an den Advents - Samstagen in den Kneipen bestimmte Lieder
mehrstimmig zu singen. Diesen bis mindestens ins 19. Jahrhundert zurückgehenden
Brauch habe ich durch eine Radiosendung kennengelernt und war begeistert von der
ehrlichen Weihnachts - Freude, die in den Aufnahmen aus dem Pub zum Ausdruck kam.
Die Lieder stammen offenbar nicht aus dem landesweit bekannten Liedgut, sondern
von örtlichen Amateurmusikern, die den
kirchlichen Autoritäten wohl nicht "fromm" genug waren. Auch scheint eine
Rolle gespielt zu haben, dass vor einigen Jahrhunderten die "church
bands" aus Instrumentalisten und Sängern durch den Einzug der Orgeln von
den Kirchen in die Kneipen abgedrängt wurden.
Weitere Bräuche wie rituelle Tänze (Morris-, sword dancing) oder Spielszenen
mit jahrhundertelang überlieferten Charakteren (Mummers plays) sowie das Singen von Haus zu
Haus, wobei man musikalisch Segen wünscht und Gaben sammelt (Wassailing), sind ebenfalls in
England überliefert.
Endlich habe ich bei youtube zwei entsprechende Videos gefunden. Die Instrumentalbegleitung ist in beiden Fällen etwas gewöhnungsbedürftig, aber die Atmosphäre kommt doch einigermaßen rüber:
"The Holly and the Ivy", The Royal, Dungworth bei Sheffield, Anfang Dez. 2008
"While Shepherds Watched", Pentonville Old Harrow, Grenoside bei Sheffield, Anfang Dez. 2008
Drei Videos geben Eindrücke vom vorchristlichen Brauchtum auf den britischen Inseln. Viele Details decken sich: Verkleidung, Masken, Besuch in den Häusern. Beim Mummer's Play gibt es einen gespielten Schwertkampf, wobei der eine Held häufig der englische Schutzheilige St. George ist. Wappen: rotes Kreuz auf weißem Grund. Jedenfalls liegt ein Kämpfer bald tot am Boden, woraufhin der Doktor auftritt. Mit allerhand Quacksalberei erweckt er den Toten wieder zum Leben. Was das zu bedeuten hat? Darüber möchte ich mir keine Aussage anmaßen.
Three videos gives an introduction to pre-christian wintertime customs in the British Isles. You find masks, disguises, straw utensils, house visiting, dancing, singing. For an introduction to Mummers' plays see the Folk Play Research Home Page. Wikipedia gives more historic details. Once again similar customs ("Mummenschanz") were found in Central Europe.
Mummers' Play and Dancing, Co. Fermanagh, Ireland
Whittlesey Straw Bear, Cambridgeshire, England
Burning the Ashen Faggot, Dorset, England

I was introduced to the regional custom of carol singing in pubs when I listened to a programme on Radio Sheffield in December 1990. The joy and excitement to be heard in those live recordings was overwhelming. These days it will be difficult to get a foot into one of the pubs in question when the singing is on but if I was in the area I'd give it a try.
The South Riding Folk Network gives good background information on seasonal customs including wassailing (songs for luck visiting), mummers' plays and morris dancing, there's also a list of dates. "The mass singing in some pubs in North Sheffield and North Derbyshire which takes place in the second half of Novembember and all December, and which is often referred to as the 'Sheffield Carols' has been described as one of the most remarkable instances of popular traditional singing in the British Isles. Local compositions and Christmas Songs that have been pushed out of the mainstream .. have survived in these unofficial places, kept alive by sheer love of singing of the participants." (SRFN)
Originally a carol meant a circular dance which would have been accompanied by the singing of the dancers. Carols were different from chorals, the hymns that were sung in church, and their lyrics dealt with various religious topics. Strictly speaking songs known as carols are nativity carols. After the Reformation singing was not favoured in countries of protestant denomination. In the 19th century carol singing became popular and a number of today's favourites were written then. The custom of caroling, going from door to door and singing with a small group, can still be found in the USA today. But it appears to be on the decline. Read Caroling or Silent Nights? on USA Today.
Widely known Christmas carols with sheet music and midi sounds can be found at the Online Christmas Songbook.